Herzlich Willkommen
in der Welt von
Swarovski Optik

Pünktliche Lieferung zu Weihnachten bei Bestellungen bis 19.12.2019, 15:00 Uhr


DAS WUNDER AM HIMMEL

Einblicke in die geheimnisvolle Welt der Zugvögel

Von Edward Parnell


Zweimal im Jahr bereiten sich Millionen von Vögeln – von denen einige nur etwas mehr als ein paar Münzen wiegen – auf eine sagenhafte Reise vor, die sich über Wüsten und Ozeane erstreckt. Doch was treibt sie dazu, ihr Leben zu riskieren?


Jede fünfte Vogelart weltweit geht dieses Risiko ein, um ihr Überleben zu sichern.

In ihrem Ausmaß variieren Vogelzüge stark: von kurzen Flügen mit großen Höhenunterschieden durch eine Gebirgskette, um der Härte des Winters zu entfliehen, bis hin zu den beeindruckenden Reisen der Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea), die jedes Jahr von einem Pol zum anderen – und wieder zurück – fliegt. Die unterschiedlichsten Vögel, von kleinen Kolibris mit weniger als zehn Gramm Gewicht bis hin zu kräftigen Gänsen und Trappen, begeben sich auf die Reise. Doch egal, ob der Vogel groß oder klein oder die zurückgelegte Strecke lang oder kurz ist, eine Gemeinsamkeit haben alle Vogelzüge: Sie sind gefährlich.

Für Vögel ist die Migration sogar lebensgefährlich. Bei den Marathonflügen können sie auf dem Weg zum Ziel die Hälfte ihres Gewichts verlieren. Millionen erreichen ihre Destination niemals, weil die zermürbenden Bedingungen ihren Tribut fordern und sie der Erschöpfung, dem Hungertod oder Raubtieren zum Opfer fallen. Und nur ein halbes Jahr später bereiten sich die Überlebenden abermals darauf vor, die Rückreise anzutreten – diesmal in Begleitung ihres frisch geschlüpften Nachwuchses.

VOGELZÜGE ZUM STAUNEN 

WENN SIE DIESES UNGLAUBLICHE NATUREREIGNIS MIT EIGENEN AUGEN SEHEN MÖCHTEN, SIND SIE AN DEN FOLGENDEN ORTEN RICHTIG …

PANAMA-STADT, PANAMA 

Wenn eine hohe Zahl von Zugvögeln, insbesondere große, auffällige Gruppen wie Greifvögel, Störche oder Pelikane, ein relativ kleines Gebiet durchqueren, entsteht an den Engstellen ein spektakuläres Schauspiel für Birder. Das herausragende Vorgebirge von Panama-Stadt bildet einen Trichter, durch den Tausende, manchmal Millionen von Greifvögeln über die Skyline der Metropole hinwegfliegen.

DOYANG-STAUSEE, NAGALAND 

Jeden Oktober versammeln sich mehr als eine Million Amurfalken (Falco amurensis) in Nordostindien, um im Herbst von Sibirien aus in ihre Überwinterungsgebiete in Afrika zu ziehen. Früher wurden die Vögel gejagt und zu Tausenden gefangen, heute werden sie von den Einheimischen in Ehren gehalten und seit 2013 ist kein einziger Amurfalke mehr gefangen worden.

THE WASH, EAST ANGLIA

Dieses riesige Ästuar ist an den Mündungen von vier Flüssen an der Ostküste Englands entstanden. Jeden Herbst versammeln sich dort Zehntausende von Watvögeln, um im Schlick zu rasten. Wenn die Flut steigt, erheben sich riesige Schwärme in die Lüfte und bilden faszinierende Flugformationen.


Doch fast jede fünfte Vogelart weltweit geht dieses Risiko ein, um ihr Überleben zu sichern. So begeben sich die Tiere auf eine Reise über Wüsten und Meere, die zeitlich genau auf das Knospentreiben der Blüten und die Insekten, die aus ihren Kokons schlüpfen, abgestimmt ist. Bereits seit Jahrtausenden ziehen die Vögel von einem Ende des Globus zum anderen, je nachdem, wie es die Nahrungsverfügbarkeit gerade diktiert. Doch in der heutigen Zeit erweisen sich zusätzliche, vom Menschen verursachte Belastungen für viele Arten als zu großes Hindernis. Weltweit schrumpfen die Bestände von 40 % der Zugvogelarten und einige von ihnen in Nord-, Mittel- und Südamerika, die weite Strecken zurücklegen, wie der Gelbstirn-Waldsänger (Vermivora bachmanii) und der Eskimo-Brachvogel (Numenius borealis), gelten inzwischen als ausgestorben. Neue Bedrohungen wie die illegale Vogeljagd versetzen ohnehin stark dezimierten Zugvogelpopulationen beim Durchqueren von Mittelmeerländern den Todesstoß.

„Zugvögel sind während ihrer jährlichen Zyklen zahlreichen Bedrohungen durch die Natur und den Menschen ausgesetzt“, sagt Itala Yepez, Leiterin der Abteilung zum Artenerhalt bei BirdLife International in Nord-, Mittel- und Südamerika. Am schwersten wiegt laut Yepez der Verlust von Lebensraum. „Millionen Hektar Vogellebensraum gehen jedes Jahr durch Bebauung, Land- und Forstwirtschaft verloren. Nur durch den Schutz und die Wiederherstellung von Lebensräumen lassen sich die immensen Folgen abmildern.“


Bei Standvögeln können Naturschützer ihre Aktivitäten zum Artenerhalt auf ein bestimmtes Gebiet konzentrieren. Bei Zugvögeln hingegen ist das mit einem ungleich höheren Aufwand verbunden: So müssen diese nicht nur bei ihren Brutstätten und Winterquartieren geschützt werden, sondern entlang der gesamten Route, also auch an Orten, an denen sie unterwegs Zwischenstopps einlegen, um sich auszuruhen und Kraft zu tanken. Bereits eine einzige Lücke in dieser Kette könnte verhängnisvoll sein.

Daher ist es besonders wichtig, wirklich alles zu unternehmen, um unser Verständnis des Vogelzuges zu verbessern. Die Forschung unterstützt diese Bemühungen durch neue Technologien. „Motus“ (lateinisch für „Bewegung“) ist ein bahnbrechendes Programm, das von Bird Studies Canada (einem der beiden kanadischen BirdLife-Partner) geleitet wird. Es verwendet miniaturisierte Funksender mit einem Gewicht von weniger als 0,3 g, die unbemerkt auf den Rücken von Vögeln, auch kleinen Singvögeln, befestigt werden können. Diese senden alle 5–30 Sekunden einen kurzen Impuls mit einem jeweils eindeutigen Zahlenmuster aus. Automatisierte Ultrakurzwellen-Empfänger (UKW-Empfänger) können diese Signale über eine Entfernung von bis zu 15 km automatisch erkennen und aufzeichnen.

Schon jetzt bietet die Technologie einen eindrucksvollen Einblick in die Vogelzugbewegungen. In einer Studie hat eine Grauwangendrossel (Catharus minimus) in nur 3,3 Tagen mehr als 3.200 km von Kolumbien nach Indiana – durchschnittlich 986 km pro Tag – zurückgelegt.

Der Klimawandel ist eine globale Bedrohung, die sich wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad auf alle Zugvögel der Welt auswirken wird. 

Aufgrund des stetigen Wachstums der Weltbevölkerung wird es für Zugvögel hinsichtlich Lebensraum und Ressourcen sicher nicht einfacher werden. Dazu kommen weitere Bedrohungen durch das sich ständig wandelnde Klima, dessen Auswirkungen zunehmend auch Menschen spüren.

Bisher wurden nur zwei Zugvogelarten offiziell für ausgestorben erklärt – die nordamerikanische Labradorente (Camptorhynchus labradorius) und die Wandertaube (Ectopistes migratorius). Die Wandertaube war wahrscheinlich die am stärksten verbreitete Vogelart überhaupt: Anfang des 19. Jahrhunderts gab es davon noch Milliarden. Doch ihre Populationsstärke reichte nicht aus, um sie zu retten, denn sie wurden in großer Zahl erlegt und ihr Waldlebensraum wurde abgeholzt. Am Nachmittag des 1. September 1914 starb Martha, die Letzte ihrer Art, in einem Käfig im Zoo von Cincinnati.

Diese Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, alles zu tun, um weiteres Aussterben in Zukunft zu verhindern. Naturschutzinitiativen wie die von Motus sind deshalb so bedeutend. Denn was wäre ein Frühlingsbeginn ohne die Rückkehr der Schwalben mit ihrem wunderbar fröhlichen Gezwitscher und Gekrächze? Die Welt – und der Himmel – wäre mit Sicherheit ein großes Stück leerer und trister.

Empfohlene Produkte
ATX / STX / BTX Teleskop Set
ATX / STX / BTX Teleskop Set VÖLLIG NEUES SEHEN
Zum Anfang